Was ist mit Hauptmenüs passiert?

Hin und wieder schaue ich mir neue Android Spiele an, um zu sehen, wie sich der Markt entwickelt. Ich testete PUBG Mobile, Call of Duty Mobile, Fortnite und Brawl Stars. Und bei jedem dieser Titel fragte ich mich: Was zum Teufel passiert gerade im Hauptmenü?

Die guten alten Zeiten

Das Hauptmenü ist und war immer ein notwendiges Übel eines jeden Videospiels. Schließlich müssen Spieler irgendwo die üblichen Aspekte eines Spiels erreichen können: Auswahl von „Einzelspieler“, „Mehrspieler“, „Optionen“, „Credits“ und „Spiel beenden“ waren die Klassiker.

2007 hatte das aktuelle Call of Duty (4 – Modern Warfare) ein aufgeräumtes Menü.

Doch mit der Zeit schlichen sich immer neue Punkte in das Hauptmenü ein: Unlocks“ oder „Progression“, „DLCs“, „News“, „Aktuelle Turniere“. Aus „DLCs“ wurden irgendwann separate Punkte für „Shop“, „Premium Shop“, „Season Pass“ und ggf. noch spezielle „saisonale Events“. Zum Menüpunkt „Turnier“ gesellten sich automatisch startende Live-Streams der gerade laufenden Turniere inkl. einem weiteren Shop, der virtuelles Merchandise der spielenden Teams verkauft.
Und auch „News“ ist gewachsen. Man sah nicht mehr nur die aktuellen Update-Meldungen der Entwickler. Es kamen zusätzliche „Community-Spotlights“ und Highlights von Content Creatorn hinzu.

Battlefield V

Das irgendwas falsch, läuft merkte ich bei Battlefield V. Ich spielte die Battlefield Reihe durchgehend seit Battlefield 2142. Ich kannte mich aus. Doch bei Battlefield V wusste ich zwischendurch nicht weiter. In einem Test-Video habe ich damals meinen Unmut darüber geäußert. Ich hatte Fragen:

  • Wo starte ich ein normales Multiplayer Match?
  • Wie kann ich als Squad gemeinsam einem Spiel beitreten?
  • Wo verändere ich meine Standard-Ausrüstung?
  • Wo kann ich mir Herausforderungen anzeigen lassen?

Fans der Serie wissen, dass Battlefield es sowieso schon nicht leicht hatte. Die Serie wechselte zwischen Battlefied 3 und Hardline zu einem ungewöhnlichen Konzept, welches gänzlich aufs Hauptmenü verzichtete. Stattdessen mussten Spieler eine Website aufrufen, auf der sie sich einen Server aussuchen und dann darüber das Spiel starten konnten. Dort, im sogenannten Battlelog, konnten Spieler auch alle Einstellungen zur Ausrüstung vornehmen.

Doch Battlefield V war verwirrend. Alles was ich im Hauptmenü sah war ein schönes Artwork, welches 80% des Bildschirms belegt (zumindest gefühlt) sowie viel zu verschachtelte Menüs, die uneindeutige Titel trugen.

Menüs als Alleskönner

Aus Sicht von Videospielentwicklern, verstehe ich manche Entscheidungen. Denn sie möchten die Spieler möglichst lange an das Spiel fesseln, sie dafür begeistern und weitere Inhalte oder Spiele verkaufen. Die Spieler sollen wissen, wann es etwas Neues gibt. Beispielsweise Updates, neue Items und Addons oder, dass der nächste Titel des Entwicklers bald veröffentlicht wird. Der günstigste Ort für diese Werbung ist das Hauptmenü. Hier ist die Werbung gratis und hier interessieren sich die meisten Spieler für das Gezeigte.

Wenn so etwas subtil passiert, ist es ein Mehrwert. Im Hauptmenü von Assassin’s Creed Odyssey, ist aktuell Werbung für Assassin’s Creed Valhalla zu sehen. In Apex Legends ist ein kleiner Bereich für Neuigkeiten reserviert (bei jeder neuen Aktion, erscheint jedoch beim Spielstart einmalig eine Vollbildmeldung).

Doch das alles ist nichts im Vergleich zu Free2Play Mobile spielen.

Free2Play Mobile Games

Hier möchte ich Mobile Games an sich gar nicht verteufeln. Viele sind nicht ohne Grund wahnsinnig Erfolgreich und insbesondere im asiatischen Markt sehr beliebt. Insbesondere Call of Duty Mobile hat mir sehr gefallen. Doch wenn ich die Möglichkeit habe, bevorzuge ich es doch an meinem PC das „richtige“ Call of Duty zu spielen.

Eine Kritik müssen sich Free2Play Mobile Games aber gefallen lassen:
Was zum Teufel passiert hier alles?

Wir sehen hier ein Hauptmenü, welches den Spieler mit 3 Einblendungen zu neuen Aktionsitems begrüßt – und 25 verschiedene Buttons anzeigt. 6 davon führen zum Shop. Sofern man die Screens mitzählt, welche den Battle-Pass Fortschritt mit einem Hinweis zum Premium-Pass zeigen.

Kurzum: Alles leuchtet, alles verlangt meine Aufmerksamkeit. Das Spiel möchte nicht, dass ich einfach nur einem Multiplayermatch beitrete und meine freischaltbaren oder kaufbaren Items ignoriere. Ich sollte mir doch lieber den aktuellen Season Pass, die zeitlich limitierten Items im Shop und den zeitlich begrenzten neuen Spielmodus anschauen. Oh, habe ich da noch ungeöffnete Lootboxen?

  • Brawl Stars Hauptmenü
  • Rocket League Hauptmenü
  • Brawlhalla Hauptmenü

Zugegeben, Call of Duty Mobile ist das extremste Beispiel. Doch auch wenn viele andere Spiele subtiler sind, ist es kein Einzelfall.

Vieles war früher simpler. In Counter Strike und co. suchten wir uns einfach einen Server aus, spielten und haben am Ende nichts freigeschaltet und keine Erfahrungspunkte erhalten. Das Spiel an sich war für uns Motivation genug um zurückzukehren. Nach einem Match haben wir keine Ergebnisbildschirme weg geklickt. Die Runde wurde kommentarlos neugestartet.

Und das Hauptmenü war ein Tor zum Spiel und nicht zum In-Game Shop.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.